Ein Grusswort von

Pfarrer Prof.Dr.Paul Philippi
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Dass
evangelische Pfarrhäuser Orte der Begegnung sind, weiss
man längst aus der deutschen Literatur. Dass sie es
bis in die jüngste Vorvergangenheit waren, werden ungezählte
Bürger der ehemaligen DDR bezeugen können, die
während der kommunistischen Jahrzehnte Rumänien
als Wanderland entdeckt haben. Entdeckten sie Rumänien
mangels anderer zugänglicher Urlaubsziele? Jedenfalls
haben sie als sog. Rucksacktouristen auch die siebenbürgischen
Dörfer mit den Kirchenburgen der Siebenbürger
Sachsen entdeckt, wo sie, trotz behördlicher Verbote,
in den evangelischen Pfarrhäusern Unterkunft und oft
auch Verpflegung fanden, dazu Gelegenheit zu anregenden
Gesprächen, zu Erfahrungsaustausch, zur Anknüpfung
von zwischenmenschlichen Beziehungen, die auch das Jahr
1989 überdauert haben.
Doch die Zeiten haben
sich geändert. Andere Urlaubsziele sind nun ebenfalls
erreichbar. In den „neuen Bundesländern“
ist die Reisefreiheit ausgebrochen. Aber es gibt Menschen,
die nicht alles vergessen haben. Es gibt sie in der ehemaligen
DDR, es gibt sie im Kirchenburgenland Siebenbürgen,
es gibt sie auch in westlichen Ländern, die entdecken,
dass im Osten Europas neue Erfahrungen auf sie zukommen,
denen man weder ausweichen kann noch soll.
In Siebenbürgen
hat die Auswanderung der Deutschen Lücken gerissen
und viele der einst gastfreundlichen Pfarrhäuser sind
verwaist. Doch sie stehen nicht alle leer. So haben ehemalige
DDR-Gäste im schönen Pfarrhaus von Stein (rumänisch
Dacia) als Gastgeber und Anbieter eine neue Rolle gefunden:
Junge Christen aus Ostdeutschland haben sich hier der Aufgabe
gestellt, „Kinder Europas“ zusammen zu bringen.
Ausser sozialen Projekten vor Ort haben sie den leerstehenden
Pfarrhof in der schmucken Gemeinde neu hergerichtet und
ihn in Verbindung mit der evangelischen deutschen (siebenbürgisch-sächsischen)
Kirchengemeinde zu einem einladenden Zentrum der Begegnung
umgestaltet, in dem Gruppen aus Ost und West zusammenkommen,
sich kennen lernen, miteinander Erfahrungen machen, einander
zu verstehen beginnen, Gemeinsamkeiten entdecken, Unterschiede
ertragen und lieben lernen und erste Schritte zu gemeinsamem
Leben einüben. Das Umfeld der benachbarten Gemeinden,
deren unterschiedliche Sprach- und Kulturgruppen, die reizvolle
Landschaft jenes „Landes jenseits der Wälder“,
das ja gar nicht so weit weg liegt, – das alles macht
aus dem Aufenthalt eine anregende Begegnung mit Fragen und
Antworten, die wir alle für ein harmonisches Zusammenleben
im Europa von morgen nötig haben.
Paul Philippi
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